Reiseberichte, Spanien
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Pyrenäen und Ebrodelta – Tag 5

02.06.22 Nationalpark Ordesa y Monte Perdido

aktualisiert: Waldmistkäfer (Anoplotrupes stercorosus)

Morgens unternehmen wir im Valle de Ordesa eine kleine Wanderung zum Brutfelsen eines Mauerläuferpaares. Die Vorfreude ist groß. Es ist ein eindrucksvolles Hochgebirgspanorama. Leider  zeigt sich heute kein Mauerläufer und es ist ungewiss, ob das Paar dort noch brütet. Durch die außergewöhnliche Niederschlagsarmut und Wärme der letzten Wochen ist die Blüte insgesamt gering – vielleicht hat die Trockenheit auch den Mauerläufer in diesem Jahr von der Brut abgehalten? Das ist sehr schade, denn einen Mauerläufer hätte ich gerne gesehen.

Am Weg, der durch Wald und Wiesen führt, finde ich einen Kochschern Enzian (Gentiana acaulis).

In der Nähe des Parkplatzes befindet sich eine große Wiese und dort wartet dann eine große Überraschung: Zum ersten Mal sehe ich eine Smaragdeidechse. Es ist ein Männchen der Westlichen Smaragdeidechse (Lacerta bilineata).

Auf der Wiese und in der näheren Umgebung gibt es noch mehr zu entdecken. Eine Wohlriechende Händelwurz (Gymnadenia odoratissima), die sich eine Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) als Jagdgebiet ausgesucht hat.

Schlüsselblumen-Würfelfalter (Hamearis lucina) suchen Ruheplätze auf. Mittagessen mache ich im Schatten eines Baumes. Auf der Wiese grasen Kühe, die auch immer wieder herschauen und sich vielleicht fragen, was ich auf ihrer Wiese zu suchen habe.

Nach dem Picknick geht die Reise zur neuen Unterkunft nach Torla am Ordesa-Nationalpark. Anschließend folgt ein schöner Spaziergang im Ordesa-Nationalpark am Rande eines alten Buchen-/ Tannenwaldes und entlang des Rio Ara.

Auf Bäumen ist ein Gelbspanner (Opisthograptis luteolata) zu sehen, der sich dort versteckt hält. Er ist lieber nachtaktiv. Am Wegrand wächst Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza maculata).

Waldmistkäfer (Anoplotrupes stercorosus) sind auf dem Weg unterwegs.

Die Flugzeit des Waldbrettspiels (Pararge aegeria) nähert sich dem Ende zu. Die Flügel sind bereits sehr ausgebleicht und nicht mehr in bestem Zustand.

Ein Moosauge (Moneses uniflora) wächst verborgen am feuchten und schattigen Wegesrand.  

Zwischen Steinen ruht nahe am Ufer ein Zwerg-Bläuling (Cupido minimus), wo auch die Gemeine Akelei (Aquilegia vulgaris) gerne wächst, ebenso der Alpenbalsam (Erinus alpinus).

Auf den Steinen bewegt sich auch ein Männchen der Goldgrünen Waffenfliege (Chloromyia formosa), deren Schildchen keine Dornen trägt.

Eine Überraschung stellt das Alpen-Edelweiß (Leontopodium nivale) dar, dass an einer Wegkreuzung eine Bleibe fand. Hier habe ich es nicht erwartet.

Die Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis) habe ich beinahe übersehen, da ich sie für eine verblühte Orchidee gehalten habe. Bei Wikipedia steht zur Ökologie folgendes: Die Vogel-Nestwurz ist ein sogenannter Vollschmarotzer (Holoparasit). Sie ist fast ohne Chlorophyll, und auch ihre Spaltöffnungen sind spärlich und funktionslos. Ein Pflanzenexemplar benötigt von der Keimung bis zur Blühreife etwa neun Jahre. Nach der Blütezeit zerfällt das Rhizom oft von der Mitte her, und es entwickeln sich von randständigen Wurzeln ausgehende Tochterpflanzen, die dann nach einigen Jahren zur Blühreife gelangen. Wurzelhaare fehlen, stattdessen versorgt der Pilz die Pflanze vollständig mit Wasser, Nährsalzen und Assimilaten; es liegt also eine Myko-Heterotrophie vor. Die äußeren Schichten der Wurzelrinde besitzen Pilzhyphen im Zellinneren, es handelt sich also um eine endotrophe Mykorrhiza des Orchideen-Typs; in den weiter innen gelegenen Schichten werden die Pilzhyphen verdaut. Die Pflanze ist also kein Saprophyt, sondern sie parasitiert auf dem Pilz. Da dieser gleichzeitig als ektotropher Mykorrhiza-Pilz in Kontakt mit den Baumwurzeln, z. B. von Buchen steht, stammen die organischen Verbindungen letztlich von den Bäumen; man spricht hier von Epiparasitismus.

Bescheiden sieht dagegen die Einbeere (Paris quadrifolia) aus, aber Vorsicht, sie ist giftig. Die Vierblättrige Einbeere wurde von der Loki Schmidt Stiftung zur Blume des Jahres 2022 gewählt. Das sechsblättrige Exemplar ist sehr selten.

Auf den Blättern einer Pflanze ist ein Mausgrauer Schnellkäfer (Agrypnus murinus) zu sehen. Er liebt Blätter und Blüten als Nahrung.

Erfreut sehe ich dem Silberfleck-Perlmuttfalter (Boloria euphrosyne) zu, wie er von einer Blüte zur nächsten unterwegs ist, genauso wie die Bergwaldhummel (Bombus wurflenii).

Auf der Rückfahrt steht ein interessantes Verkehrszeichen am Straßenrand. Es zeigt eine herabpurzelnde Person. Was bedeutet das? Muss auf den nächsten 150 Metern damit gerechnet werden, dass Personen vom Hang herunterfallen? Im Restaurant erhalte ich die Auflösung: Auf 150 Metern ist absolutes Halteverbot, da auf der Straße wandernde Personen im Winter von Lawinen verschüttet werden könnten. So, damit wäre das Rätsel gelöst.

Im Restaurant hängt am Eingang ein weiteres Restaurant.

Das Abendessen startet mit einem Appetitanreger, ein Würstchen auf einer Weißbrotscheibe mit viel Olivenöl und Knoblauch.   

Kategorie: Reiseberichte, Spanien

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Naturfotograf, Citizen Scientist Mitglied im Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) Mitglied beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Mitglied der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern e.V. Mitglied der Gesellschaft der Freunde des Botanischen Gartens München e.V.

Ein Kommentar zu “Pyrenäen und Ebrodelta – Tag 5”

  1. Hans P. Kollmannsberger sagt:

    Lieber Hans,
    sehr Schade, dass es mit den Mauerläufern nicht geklappt hat. Die hätte ich dir gegönnt und damit uns, die sich an deinen Fotos freuen dürfen.
    Die Smaragdeidechse kannst du nächstes Frühjahr auch auf der Agriturismoval beobachten. Sie lebt auf der Terrasse und wird von Sophia „Checko“ genannt!

    Liebe Grüße
    Hans

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