03.06.2022 Cañon de Añiclo
Aktualisiert: Maskenbiene (Hylaeus sp.), Binsenlilie (Aphyllanthes monspeliensis), Geringelte Mordwanze (Rhynocoris annulatus), Glattschieniger Pinselkäfer (Trichius gallicus gallicus),
In Torla hatte es in der Nacht ein starkes Gewitter. Der Donner ist zwischen den Bergen besonders beeindruckend. Morgens dampft es noch aus den Niederungen, dann verziehen sich langsam die Wolken. Während des Tages scheint wieder die Sonne bei fast wolkenlosem Himmel und angenehmen Temperaturen. Der Vormittag ist einer Wanderung im Cañon de Añiclo gewidmet, eines der Täler im südlichen Teil des Ordesa Nationalpark und Monte Perdido. Es ist sicherlich eines der wildesten Täler des Nationalparks. Wir unternehmen einen Spaziergang in der Schlucht mit schönen Waldbildern, artenreichem Mischwald und zahlreich blühenden Pflanzen. Unsere Wanderung startet am Parkplatz oberhalb des Eingangs zur Añisclo Schlucht.



Bereits hier ist an einem Gitter ein Gelber Widderchen-Kokon (Zygaenidae-Kokon) zu sehen. Auch Bibernell-Rosen (Rosa spinosissima) laden ein. Der gut markierte Weg führt erst einmal abwärts. Ein Schwalbenschwanz (Papilio machaon) sonnt sich. Maskenbienen (Hylaeus sp.) werden vom Blauem Lattich (Lactuca perennis) angezogen. Am Wegesrand blüht die Binsenlilie (Aphyllanthes monspeliensis). Auch Männchen der Hainschwebfliege (Episyrphus balteatus) und eines Ungarischen Prachtkäfers (Anthaxia hungarica) begleiten unseren Abstieg. Vielversprechender Start!









Der Weg schlängelt sich dann am Fluss entlang, durch immer wieder dichten Wald.




An manchen Stellen blüht der Pyrenäen-Felsenteller (Ramonda myconi), auf sonnigen Stellen am Weg warten Goldfliegen (Lucilia sericata) auf mich. Tosende Wasserfälle und herrlich geformte Becken begleiteten uns bis zur Ripareta, wo der Barranco Pardina in den Rio Bellos mündet. Auf einer Mauerbrüstung huscht eine Mauereidechse (Podarcis muralis). Auf dem Weg paaren sich zwischen herabgefallenen Blättern Köcherfliegen (Chaetopteryx villosa gonzalezi). Manche Stellen laden zum Verweilen ein, Baden ist verboten.





Danach geht es teilweise steil bergauf zurück. Auf sonnigen Abschnitten blüht das Berg-Laserkraut (Laserpitium siler) und zieht Insekten aller Arten magisch an. Streifenwanzen (Graphosoma italicum), Bienen, Schmetterlinge wie das Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendulae) und Käfer wie der Speckkaefer (Attagenus trifasciatus) lieben es.




Der Weg führt vorbei an der Mittelalterlichen Einsiedelei San Urbez. Eine Blaumeise begrüßt lautstark. Am Wegesrand wachsen Zaunrüben (Bryonia). Die Zaunrüben-Sandbienen (Andrena florea) fliegen zur Blütezeit der Zaunrüben ab Mai bis in den August. Sie sammeln den Proviant für ihre Brut nur an Zaunrüben. Ihre Nester legen sie im Boden an. Es werden spärlich bewachsene Stellen bevorzugt. Auf den Blättern sind auch Geringelte Mordwanzen (Rhynocoris annulatus) zu finden.









Ich beobachte eine Schlupfwespe, wie sie nur wenig über dem Boden hin und her fliegt. Die Schlupfwespen (Ichneumonidae) bilden vermutlich die artenreichste Familie der Hautflügler, es sind etwa 30.000 Arten beschrieben, und es werden ca. 60.000 Arten geschätzt. Sie kommen auf der ganzen Welt vor. In Deutschland sind mehr als 3600 Arten bekannt, in der Schweiz fast 1500 Arten und in Mitteleuropa mehr als 4000 Arten.


Ganz oben auf einer Felswand sind Gänsegeier zu sehen. Vermutlich befindet sich dort ein Horst.




Viele Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendulae) sind jetzt unterwegs zur Nahrungsaufnahme. Auf einem Mauervorsprung sitzt ein großer Einfarbiger Langhornbock (Monochamus sutor). Nachdem er ausreichend betrachtet wurde, macht er sich fliegend davon. In einer Blüte bedient sich ein Glattschieniger Pinselkäfer (Trichius gallicus gallicus).





Bei einer Rast ruht auf einer Mauer ein Schwarzaugen-Bindenspanner (Cosmorhoe ocellata). Ein schöner Abschluss der Vormittagstour.
