Finnland, Reiseberichte
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Finnland – 6. Tag – 454

14.05.2023 Finnland: Auf der Suche nach nordischen Waldvögeln

Das Programm für die nächsten drei Tage: Die ausgedehnten Wälder an der russischen Grenze wirken besonders geheimnisvoll. Mit Flechten behangen stehen hier alte Fichten und Kiefern. Ebereschen, Birken und viele Waldbeerenarten bilden den Unterwuchs. Oft stehen sie auf moorigen Untergrund, sodass der Boden unter unseren Schritten wankt. Für seine urigen Wälder und wilden Stromschnellen ist der Oulanka Nationalpark bekannt, über 270 Quadratkilometer groß und Rückzugsgebiet vieler seltener Arten. Die Wälder sind nicht so vogelvoll wie in Mitteleuropa, deshalb müssen einzelne Arten oft gesucht werden. So werden wir viele interessante Stellen anfahren und dort gezielt nach Blauschwanz, Dreizehenspecht, Hakengimpel, Unglückshäher, Lapplandmeise, Moorschneehuhn, Birk- und Auerhuhn, Haselhuhn suchen. Der Berg „Livaara“ ist berühmt für den Blauschwanz, der hier sein einziges Brutvorkommen in Skandinavien hat. Außerdem bietet er einen beeindruckenden Blick über die Seenlandchaft, die man als Fußgänger und Autofahrer nur erahnen kann. An den Seen und in den Moorgebieten brüten Rothals- und Ohrentaucher, Zwergmöwe und Zwergschnepfe. Regenbrachvögel und Grünschenkel sind auch zu erwarten. Mit Glück können wir hier in den offenen Bereichen Waldammern und vielleicht sogar die Zwergammer finden. Am Kuusamo See lassen sich meist nordische Wasservögel wie Prachttaucher, Rothalstaucher, Trauerenten, Zwergsäger und Singschwan beobachten.

Heute wird um 5 Uhr morgens gestartet. Was ist das? Wir fahren eine Tankstelle an. Das darf doch nicht wahr sein. Da starten wir extra sehr früh, und dann wird als erstes getankt. Das hätte der Reiseleiter am Vorabend machen sollen. Nahe der Tankstelle ist ein kleiner See. Mal sehen, was es da zu sehen gibt? Es ist nicht einfach, die Tankstelle zum See auf geraden Weg zu verlassen, da dazwischen Gräben sind. Diese werden überwunden. Am See angekommen, kommt große Freude auf. Ganz nahe sitzt ein Zwergsägermännchen im Prachtkleid auf dem Eis und daneben ruht ein Weibchen. Auch Schellenten sind zu sehen. Dann wird es den Wasservögeln doch zu kritisch und sie fliegen auf und davon. Danach wird das Tanken in milderem Licht gesehen.

Nach ca. 1 Stunde Fahrt wird in einem Wald gestoppt. Ein Waldammermännchen im Prachtkleid singt laut in der Morgenstunde.

Bei der Weiterfahrt entdeckt eine Mitreisende bei voller Fahrt ein gut verstecktes Moorschneehuhn, das für die anderen Mitreisenden nur mit Anstrengung zu finden ist. Es fängt an, sich für den Sommer in braunem Federputz an die kommende Jahreszeit anzupassen.

In einem anderen Waldstück sind Rotdrossel und Singdrossel anzutreffen.

Wir halten an einem größeren Teich, der im vorderen Teil bereits offnes Wasser führt, während der hintere Teil noch von Eis bedeckt ist. Draußen auf dem See an der Grenze zur Eisdecke zeigen sich zwei Prachttaucher im Prachtkleid. Im Gegenlicht sind sie nur schwer zu erkennen.

Im nördlichen Teil halten sich zwischen Schellenten und Zwergsägern zwei Singschwäne auf, die nach kurzer Zeit abfliegen.

Es ist bereits Mittag und an einer lichten Stelle im Wald zeigen sich Birkenzeisige in ihrem Prachtkleid.

An einer weiteren Wasserstelle sind Zwergsäger zu beobachten. Auf einem kleinen Pflanzendeich suchen ein Bruchwasserläufer und ein Dunkelwasserläufer im Prachtkleid nach Nahrung.

Am Rande schwimmen noch größere Eisstücke im Moorwasser.

Erneut sind Prachttaucher zu beobachten. Sie zeigen sich sehr entspannt.

In einem Waldstück wird nach der Lapplandmeise gesucht. Gefunden habe ich nur ein Buchfinkweibchen.

Um 9 Uhr abends bewegen sich Auerhennen am Straßenrand.

Und kurz darauf ist die Balz der Birkhähne zu beobachten. Nahe am Auto befindet sich ein stolzer Birkhahn, der ganz alleine seine Schau abzieht.

Dann nach einer viertel Stunde fliegt er ab auf die Spitze eines Nadelbaumes.

Am Waldrand führen weitere Birkhähne ihre Rangtänze auf. Das Gefieder ist aufgeplustert und die Flügel sind ausgebreitet. Stärke wird demonstriert, indem dem oder den Rivalen die geschwellte Brust gezeigt wird. Nur der Ranghöchste wird von den Hennen zur Arterhaltung akzeptiert.

Es ist schon dämmrig, viertel vor 10 Uhr. Im Gras auf der Wiese kann noch etwas anderes ausgemacht werden. Es ist eine Bekassine, so gut getarnt, dass sie beinahe unsichtbar ist. Der Bruchwasserläufer ist leichter zu erkennen.

Auf dem Weg zurück zum Hotel gibt es noch weitere Überraschungen. Auf dem Balzplatz waren keine Birkhennen zu sehen. Wir finden sie auf der Straße, wo sie selenruhig ihren Bedürfnissen nachkommen. Eilig, die Straße zu verlassen, haben sie es nicht.

Wieder heißt es anhalten. Am Straßenrand ruht eine Waldschnepfe. Sie rührt sich nicht von der Stelle und vertraut vollkommen ihrer Tarnung.

Der letzte Stopp findet um halb elf abends statt. Es herrscht eine wundervolle Abendstimmung am Teich, als die drei Prachttaucher völlig lautlos nahe an mir vorbeiziehen. Ein herrlicher Ausklang für diesen langen Tag.

Kategorie: Finnland, Reiseberichte

von

Naturfotograf, Citizen Scientist Mitglied im Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) Mitglied beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Mitglied der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern e.V. Mitglied der Gesellschaft der Freunde des Botanischen Gartens München e.V.

2 Kommentare zu “Finnland – 6. Tag – 454”

  1. Haag Andreas sagt:

    Wiederum ein spannender Bericht! Und endlich sehe ich den Zwergsäger auch in voller Pracht.

    1. Hans Wolf sagt:

      Ich habe ja versprochen, dass ich schnell mache. Danke, dass Dir die Fotogeschichten gefallen.

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